Dhuhr
Beginn nach dem Überschreiten des Sonnenhöchststands, des Zawal.
Die Definition
Dhuhr beginnt, sobald die Sonne ihren höchsten Stand überschritten hat und der Schatten wieder länger wird. Das ist die einzige der fünf Zeiten, die ohne jede Zusatzannahme auskommt: kein Winkel, kein Schattenfaktor, keine Sichtbarkeitsfrage.
Der Hadith Abdallah ibn Amrs in Sahih Muslim 612 beginnt mit dem Satz, die Dhuhrzeit sei, wenn die Sonne sich geneigt habe. Auch al-Mausili, al-Ichtiyar, Bd. 1, S. 51, bezeichnet den Beginn mit dem Zawal und vermerkt, über den Beginn bestehe kein Streit. Rechtssprachlich beginnt Dhuhr also nicht während des Verweilens im höchsten Punkt, sondern sobald die Sonne danach zur Westseite geneigt ist.
Warum das fast nie 12 Uhr ist
Drei Dinge verschieben den Sonnenhöchststand gegenüber der Uhr:
- Die Länge des Ortes. Die mitteleuropäische Zeit hängt am 15. Längengrad. Frankfurt liegt auf 8,68° Ost, also 6,3° weiter westlich, was 25 Minuten ausmacht.
- Die Sommerzeit. Eine weitere Stunde von Ende März bis Ende Oktober.
- Die Zeitgleichung. Die Erde läuft auf einer Ellipse und ihre Achse ist geneigt. Dadurch schwankt der wahre Sonnenmittag über das Jahr zwischen etwa 14 Minuten zu früh und 16 Minuten zu spät.
In Frankfurt ergibt das am 2. August: 12:00 plus 25 Minuten für die Länge, plus 60 Minuten Sommerzeit, plus 6 Minuten Zeitgleichung, also 13:32 Uhr. Alle drei Anteile stehen einzeln im Rechenprotokoll.
In Extremfällen wird der Abstand groß. In Kaschgar, das auf 76° Ost liegt, aber Pekinger Zeit gilt, steht die Sonne erst gegen 14:58 Uhr am höchsten. Die App findet auch dort den richtigen Meridiandurchgang.
Sicherheitsminuten und woher sie kommen
Ein fest vorgeschriebener Zuschlag von einer, zwei oder fünf Minuten steht weder im Quran noch in der Sunna, und die klassischen Schulen kennen ihn nicht als einheitliche Regel. Diyanet sagt das ausdrücklich: Eine allgemeine Wartezeit nach Eintritt des Gebetszeitraums ist nicht angeordnet. Die üblichen Zuschläge sind Rechen-, Rundungs-, Orts- oder institutionelle Vorsicht, arabisch tamkin, und jeder hat eine Herkunft:
| Zuschlag | Was er bedeutet |
|---|---|
| 0 Minuten | der astronomische Meridiandurchgang selbst, bezogen auf den Mittelpunkt der Sonnenscheibe. Voreinstellung dieser App. |
| 1 Minute | technische Vorsicht: die Zeit, bis die ganze Sonnenscheibe die gedachte Meridianlinie verlassen hat. Wegen des scheinbaren Sonnenradius höchstens etwa 65 Sekunden. |
| 2 Minuten | Temkin nach dem Beschluss der Fiqh-Akademie der Muslimischen Weltliga von 1986, dort für Dhuhr, Asr, Maghrib und Ischa. |
| 5 Minuten | Kalenderkonvention von Diyanet, begründet mit einer einheitlichen Zeit für ein ganzes Siedlungsgebiet und mit dem zu meidenden Augenblick der Kulmination. Auch die Weltkonferenz Istanbul 2021 nennt diesen Wert. |
Die App setzt standardmäßig null Minuten an und zeigt damit den astronomischen Meridiandurchgang. Das ist keine Nachlässigkeit, solange zweierlei stimmt, und beides stimmt hier: Der Wert wird als das benannt, was er ist, und die Anzeige rundet auf, sodass die genannte Minute immer nach dem Zawal liegt und nie davor. Wer einen Zuschlag will, trägt ihn in den Einstellungen ein; er erscheint dann als eigener Posten im Rechenprotokoll und nicht als stiller Bestandteil der Rechnung.